Machen Online Spiele süchtig?

Eine zunehmende Anzahl von Eltern, Freunden, Bekannten und Ehepartnern stellt sich die Frage: „Machen Online Spiele süchtig?“ Hier sollte zunächst einmal die pauschalisierte Fragestellung verändert werden: „Können Online-Spiel süchtig machen?“ Die Antwort darauf ist: „JA!“. Bei exzessiver Nutzung verlieren die Spieler nicht nur den Bezug zur Realität. Online Spiele können ihre Nutzer auch in den finanziellen Ruin, die Arbeitslosigkeit und die familiäre Katastrophe treiben.
Leider lässt sich aber eine Diagnose nicht so einfach stellen, wie bei einer körperlichen Krankheit. Auch ist die Online Spielsucht kein alleiniges Problem der Jugendlichen und Heranwachsenden!

Wie kann man Spielsucht erkennen?
Um für seinen eigenen Bekannten- oder Familienkreis eine Diagnose stellen zu können, sollte man erst einmal wissen, wie Online-Spiele funktionieren. Vergleichsweise harmlose Online-Spiele arbeiten mit Produktplatzierungen. Über störende Pop-Up-Fenster werden Werbebotschaften verteilt und in den Spielwelten taucht das ein oder andere Markenprodukt auf. Leider arbeiten die wenigsten Browser-Games mit derart einfachen Refinanzierungsquellen. Online-Spiele sind psychologisch durch die Entwickler so aufgebaut, dass ein Einstieg relativ schnell gelingt. Kurzfristig kann man erheblichen Fortschritt und erhebliche Erfolge verzeichnen. Dann aber werden Entwicklung und Fortschritt immer langsamer. Die Spiele locken mit bunten Auszeichnungen und über Allianzen schließt man sich mit Gleichgesinnten bei völliger Anonymität zusammen.
Dann aber kommt irgendwann der Punkt, an dem das Spiel stagniert. Über Premium-Tickets, Diamanten, Magie, Zaubertränke…und wie auch immer die Items heißen mögen, kann man gegen bares Geld den Fortschritt wieder beschleunigen und das bereits aufgebaute Imperium schützen.
Und schon ist der Spieler im Teufelskreis gefangen. Denn nun ist bares Geld bereits investiert. Man möchte ja dann doch auch sicher gehen, dass das Geld nicht verschwendet wurde! Also noch einmal ein wenig Geld nachlegen – und so weiter.

Kann Online-Spielsucht jeden treffen?
Wie anfällig ein Mensch für eine Online-Spielsucht ist, hängt vom Individuum ab. Manche Menschen können sehr genau zwischen dem Spiel und der Realität, dem sogenannten „Real Life“, unterscheiden. Einige investieren auch den ein oder anderen Euro in diese Spiele, da es sich für sie um ein harmloses Hobby handelt. Sie verkennen aber nicht, dass es sich schlicht und ergreifend um ein Spiel handelt. Hier kann man sich auch noch eine paar Gutscheine für die neue Hardware holen.

Wie soll man handeln? Wann soll man aktiv werden?
Wichtig ist für alle, die befürchten, dass Familienangehörige, Arbeitskollegen oder Bekannte der Spielsucht verfallen sind, eine aktive Herangehensweise: Beobachten und mit dem Betreffenden darüber sprechen! Solange der Spieler auch mal für ein paar Tage im wahrsten Sinne des Wortes „abschalten“ kann und mit der Familie oder den Vereinskollegen seinen Sonntagsausflug wahrnimmt, kann man die Alarmsirenen zurückschalten.
Sollten aber deutliche Beträge vom Konto fließen und/oder will der Betreffende nicht darüber reden und steht aber dennoch für familiäre und berufliche Belange nicht mehr zur Verfügung, dann ist schnelle Hilfe erforderlich!

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